Zum Glück kein Durchbruch

An einem Donnerstag Mittag bekam ich Bauchschmerzen.

Ich dachte mir nichts Böses, Bauchschmerzen bekommt man schließlich manchmal. Doch gegen Abend wanderten die Bauchschmerzen in die rechte untere Bauchgegend.
Zuerst drängte sich natürlich eine Blinddarmentzündung auf,
habe dann das Schlimmste gemacht was man machen kann, nämlich danach gegoogelt. :rotwerd:

Nun musste ich mir erstmal einreden, dass ich mich dadurch selber verrückt mache:
„Die Nacht werde ich schon noch überstehen und so habe ich schnell zwei Schmerztabletten eingeworfen.“

Gegen 3 Uhr nachts wurden die Schmerzen dann so schlimm, dass ich überhaupt nicht mehr schlafen konnte. Meine Freundin hat mich darauf ins Krankenhaus gefahren. Sicher ist sicher.
Im Krankenhaus angekommen sind wir brav den roten Linien bis zur Notaufnahme gefolgt.
Dort habe ich meine Schmerzen geschildert und meine Vermutung der Blinddarmentzündung geäußert. Sofort wurde mir Blut abgenommen – zumindest wurde es versucht.
Der linke Unterarm wollte nichts her geben, also wurde es in der Beuge vom rechten Arm versucht…
:cry:

Dieser Fehlversuch, das Geplappere der Krankenschwester, mein Unbehagen gegenüber Spritzen und der Umstand, dass die Krankenschwester ihren Korb mit den Utensilien herunter warf, führten dazu dass mir ganz übel wurde und ich mich schnell hinlegen musste damit ich nicht umkippe. Örgs!
:eek:

Der Unfall-Chirurg machte einen Ultraschall, konnte aber nichts feststellen,
merkte dazu noch an das ist auch ein verspannter Bauchmuskel sein kann.
Den kannte ich übrigens schon, vor einem halben Jahr bei meinem Radunfall auf den Bauch, hat er auch 10 Minuten Ultraschall gemacht, und nichts festgestellt. Der Chefarzt hat in 1,5 Minuten dann gesehen, dass zwei Organe etwas geschwollen sind.
Hier war es wieder so. 10 Minuten und nichts, eine Stunde später (vielleicht lag es auch daran?) ein anderer Arzt 2 Minuten geguckt und was gesehen was auf Blinddarmentzündung hinweist.
:kopfwand:

Das Labor braucht ungefähr eine Stunde bis das Blut untersucht ist, ich solle mich so lange in den Wartebereich setzen. Kann ich.

Kleine Zwischen-Geschichte Doppelpunkt:
Die Stunde war noch nicht ganz so um da hörte ich wie die Krankenschwester die mich auch aufgenommen hatte herumtelefonierte, und scheinbar einen Patienten vermisste. Sie fragte ob er beim Rauchen gesehen worden war oder ob jemand gesehen habe dass er weg gegangen ist. Sie bekam nur negative Antworten.
Wieso sollte den jemand da abhauen? Naja, fand ich komisch.
:irre:

Nach etwas über einer Stunde kam die um den vermissten Patienten besorgte Krankenschwester um die Ecke in den Wartebereich und sagte: „Ach da sind Sie ja ich habe sie schon überall gesucht …“
ach ICH wurde vermisst, ok…

Die Blutwerte sagen ich habe eine Entzündung im Körper ich werde stationär aufgenommen. Im Moment ist aber noch kein Bett frei deswegen soll ich mich auf eine Behandlungsliege legen und versuchen zu schlafen bis ein Bett frei wird. Kann ich auch.

Zwei Stunden später wurde ich unsanft mit Einschalten des Lichtes geweckt. Wie im Werner-Film!
„HUCH! Hier liegt ja jemand, Tschuldigung, Tschüß.“ BOMM! Tür zugeknallt.
Kurze Zeit später: Ein anderer Arzt klärte mich über die Operation der Blinddarm Entnahme auf.
Durch das gebrochene Deutsch verstehe ich zwar nur die Hälfte, aber es gibt ja ein Begleitblatt wo nochmal alles drauf steht. 1 Seite über die OP, 3 Seiten Risiken und Nebenwirkungen, will ich gar nicht wissen…
:stumm:

Nun sollte ich stationär aufgenommen werden, also werde ich auf die Station gebracht.
Da dort aber noch kein Bett frei war, musste ich mich in den Wartebereich setzen.
Hier und da wurde sich darüber aufgeregt, dass man mich einfach so vorbei bringen würde,
obwohl noch kein Bett frei ist.
Das Telefon klingelt: „OP!? Der hat noch nicht mal ein Bett!“, meinen die mich?
:applewins:

Zehn Minuten später wurde ich auf mein Zimmer gebracht und bekam auch ein Bett.
Mir wurden schon einmal die OP Sachen hingelegt, und als nächstes sollte die Anästhesieärztin kommen.

Es kamen aber zwei Arzthelferlein in das Zimmer und wollte mich zur OP abholen.
Ich erwähnte, dass ich noch nicht über die Narkose aufgeklärt worden wäre und schon waren sie wieder weg.

20 Minuten später kam dann auch die Anästhesiefee und begann mich ausführlich über die Narkose aufzuklären.
Während des Gesprächs klingelt ihr Telefon, ob ich denn bereit wäre, der OP warte.
Sie erklärte mir alles zu Ende und sagte ich solle dann das hübsche Kleid für die OP anziehen.

Die schon erwähnten zwei Arzthelfer kamen wieder, ungefähr zehn Sekunden nachdem die Anästhesietante aus dem Zimmer war. Natürlich war ich noch nicht umgezogen Punkt also schnell auf die Toilette und mich in Schale geworfen. Erniedrigend!
Es wurde Fieber gemessen und Blutdruck gemessen auf einmal guckte der Arzthelfer der den Blutdruck messen sollte etwas verunsichert.
Gebrochenes Deutsch „geht nicht!“
Nun dachte ich, ich habe vielleicht wegen der Aufregung und dem hin und her einen viel zu hohen Blutdruck. GEHT NICHT? Das brauche ich jetzt nicht, ich will das endlich hinter mir haben.
In gebrochenem Deutsch verständigen sich die beiden nach drei Anläufen dann darauf  „Batterie leer“.
Man-o-man … :rofl:

Schlussendlich wurde ich dann wirklich abgeholt und kam in die OP Vorbereitung.
Dann wurde es weitaus professioneller zumindest größtenteils.
ich soll meine Brille abgeben. Nein, ich soll meine Brille nicht abgeben denn sonst würde ich die Ärzte ja nicht sehen. Habe nie auch nur einen Arzt gesehen denn ich bekomme eine Vollnarkose bevor ich in den OP komme, oder war das schon der OP-Saal? Keine Ahnung. Und meine Brille warte anschließend auf meinem Zimmer auf der Station.
Ich solle an etwas Schönes denken, sie leiten die Narkose nun ein, Sauerstoffmaske auf das Gesicht,
nach 15 Sekunden denke ich, das wird doch nichts, ich wird nicht mal müde und ZACK!

:schlacht:

ZACK! Zwischen 13 und 14 Uhr wachte ich im Aufwachraum auf.
Noch unter den Nachwirkungen der Narkose und ohne Brille nicht scharf sehend was weiter als 20 cm weg ist, kam es mir vor als wenn ich noch in einem Traum stecken würde.
Ständig wurde ich durch das Piepen geweckt weil ich nicht tief genug Luft holte.
Schmerzen hatte ich keinen denn ich wurde mit Schmerzmittel voll versorgt… Alles war gut.

Gegen 15 Uhr war ich dann auf meinem Zimmer auf der Station ohne weiteres Schmerzmittel und verbrachte den weiteren Nachmittag mit Schlafen.

Zum Abendessen gab es eine kleine Kanne Tee. Das war’s für den ersten Tag dachte ich.
:tasse02:

Samstag ca 2 Uhr nachts:
Plötzlich ging das Licht an und jemand wurde im Rollstuhl unter Stöhnen ins Zimmer gebracht.
Schnell hatte er ein Bett eine Infusion und eine blubbernde Sauerstoffversorgung.
Die Sauerstoffversorgung bewirkte mit ihrem steten Blubbern, dass ich in der Nacht bestimmt vier bis fünf Mal auf die Toilette gehen musste. Und das war so kurz nach er OP jedes mal ein langer Akt.
Aber das war auch gut so, denn die Schwestern haben mir geraten ganz oft für ganz kurz immer wieder aufzustehen.

Am nächsten Morgen machen wir uns bekannt und tauschten unsere Krankengeschichte aus.
Er war Mitte 60, sieben Jahren mit Rucksack in Afrika unterwegs.
Eine verschleppte Lungenentzündung hatte ihn dazu gezwungen Kortison zunehmen,
das Kortison griff nun vermutlich seine Knochen an, so dass er Rückenschmerzen und vermutlich verletzte Wirbel hatte.

Aus diesen gesundheitlichen Gründen musste er seine kleine Kneipe schließen.
Der letzte Tag war genau an diesem Samstag und man hat ihm sichtlich angemerkt, dass er sehr traurig darüber war nicht an diesem Abschiedsabend mit all seinen Stammgästen den letzten Tag in der Kneipe zu verbringen.
:scratch:

Ansonsten war er ein sehr dufter Typ, sieht aus wie der Tatortreiniger und unterhalten haben wir uns über alles Mögliche wie Kochen, seine Kneipe, mein Bungee-Jump, seine Afrikareise und so weiter.
Wenn er sich einen Kaffee geholt hat brachte er mir immer 1 2 Kekse mit.
:heart:

Samstag Nachmittag wurde mir schon angekündigt dass wenn alles gut geht, ich am nächsten Tag das Krankenhaus schon verlassen könne.
Der erste Versuch Blut abzunehmen klappte leider nicht da der Zugang in der Armbeuge mittlerweile rot und blau war und man schon angeschwollene Ader 5 cm in jeder Richtung sehen und fühlen konnte.
Also wurde der Zugang entfernt und die Schwester sagte dass sie einfach später am Tag mir das Blut abnehmen würde, was aber an diesem Tag nicht mehr geschah.

Am Sonntag sagte man mir wieder dass ich vielleicht heute das Krankenhaus verlassen werde.
Erstaunen sprang mir entgegen als ich sagte, dass noch kein Blut abgenommen wurde um zu schauen ob die Entzündung komplett geheilt ist und sonst auch alles in Ordnung ist.

Wir hatten gerade das Mittagessen verspeist als der Arzt hereinkam.
Er sagte „So, der Herr der jetzt nichts gegessen hat…“ und sah unsere beiden leeren Teller und verstummte.
Blut nahm mir dann trotzdem ab und das Warten auf die Entlassung begann.

Gegen 15:30 Uhr kam eine Schwester. Nun war es schon drei Stunden nach der Blutabnahme.
Sie bot mir einen Kaffee an und ich bemerkte dass ich noch nichts wegen der Entlassung und meinen Blutwerten gehört habe – ob denn alles in Ordnung sei? Sie sagte, sie schaue mal nach, müsste aber erst ihren Rundgang zu Ende machen, in circa einer halben Stunde wusste ich Bescheid.

Pünktlich eine halbe Stunde später kam sie herein und übergab mir mein Entlassungsschreiben für den Hausarzt.
Ich bemerkte dass die Krankmeldung fehle. (genau so wie beim letzten mal…)
Okay man kümmere sich darum, der Arzt sei aber schon auf anderen Stationen unterwegs.
:protest:

40 Minuten später ging ich auf eigene Faust los an die Rezeption der Station und fragt ob meine Krankmeldung schon vorliege. Die Antwort war pampig: „Dazu kann ich nichts sagen“.
Auf die Frage an wen ich mich denn deswegen wenden könne wieder: „Dazu kann ich nichts sagen!“.
Sehr unhöflich und nicht gerade hilfsbereit! :negative:

Zehn Minuten später bin ich noch einmal los um die Krankenschwester zu suchen die sich darum kümmern wollte. Diese kam mir schon gehetzt entgegen und sagte mir, der Arzt hätte die Krankmeldung zwar unterschrieben aber das Datum vergessen einzutragen.
Zehn Minuten später hatte ich dann endlich die korrekte Krankmeldung in den Händen! JUHU!

Ich schlürfte zum Haupteingang raus.
Mein Abholservice stand schon bereit und die zwei Kilometer nach Hause spürte ich jede nur so kleinste Delle im Straßenbelag mit meiner durchlöcherten Magengegend.
:kloppe:

Die erste Nacht zuhause bewältigte ich nur mit einer Schmerztablette.

Zwei Tage später habe ich keine weitere Schmerztablette eingenommen.
Ich schlafe wieder durch, der Wadenkrampf in der linken Wade ist endlich weg, der Spritzenschmerz in der rechten Armbeuge ist nahezu weg und die Schmerzen sind auf ein erträgliches Minimum gesunken und hauptsächlich nur noch im linken der drei Löcher welches auch das größte ist mit 1,3 Zentimeter.

Jetzt über zwei Wochen nach der OP gehe ich wieder arbeiten, nur heben und Sport lasse ich sein, ab und zu zieht oder drückt es noch an den drei OP-Löchern, aber nach kurzes Bewegung ist das wieder ok.

Das war auf jeden Fall ein spannendes Abendteuer, dass ich dennoch niemanden wünsche.
:-)

8 Gedanken zu „Zum Glück kein Durchbruch“

  1. Tja, der Blindarm. Das ist so eine Sache. Ich habe meinen Wurmfortsatz noch und bin froh, dass ich noch heile bin. Auf der anderen Seite würde man sich aber wünschen, dass er weg wäre. Denn dann müsste man ein solches Szenario nicht befürchten. Aber… Hauptsache du hast es gut hinter dich gebracht. Bin froh, dass nichts gravierendes passiert ist und dann gesunde auch weiterhin! Alles Gute.

    1. War in einem deutschen Krankenhaus, über das man aber oft Schlechtes hört…

      Ja den ganzen Artikel habe ich mit Diktierfunktion aufgenommen, deswegen kam ich ja auf das Thema. :D
      Hab die zwei Sachen mit Absicht drinnen gelassen :wacko:
      – damit Du was zu lachen hast
      :heart:

    1. Danke komma ja das war wirklich spannend komma unser Krankenhaus hat auch einen schlechten Ruf punkt neue zeile

      hab diese woche wieder mit sport angefangen, läuft ganz gut und schmerzfrei.

      Hab den Artikel per Spracheingabe diktiert, deswegen sind da so ein paar DOPPELPUNKT etc. drin, ich weiß mit nem MÄCK wär das nicht passiert :D

  2. Och Ecki jetzt hätte ich dir fast Unrecht getan :eek: Als ich den ersten Absatz las, da dachte ich bei mir. Oh Gottchen der hat sicher einen „Männerschnupfen“.
    Dann wars doch der Blindarm. Und du hast ja eine sehr unschöne Odysee hinter dir. Gott sei Dank ist es nun vorbei.
    Alles Liebe und Gute
    Nila

    1. Ja Gott sei dank ist es vorbei, danke :good:

      Männerschnupfen hatte ich auch, zwei mal schon dieses Jahr, zum Glück kein Husten in den 3 Wochen nach der OP gehabt, das hätte ich definitiv nicht überlebt. :stumm:

      Schönes Wochenende!
      :schlacht:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

:good: 
:negative: 
B-) 
:-) 
:cry: 
:-( 
:rotwerd: 
:irre: 
:eek: 
:xd2: 
:rofl: 
:hupfi: 
:alien: 
:shock: 
:fies: 
:stumm: 
:scratch: 
:wacko: 
:yahoo: 
mehr...